*Kuriose Pilze und Historische Pilzgeschichten*

Parasitische Pilze und ferngesteuerte Ameisen

 

In den Regenwäldern Thailands befällt  ein parasitischer Pilz die Gattung der Rossameisen und macht sie zu willenlosen Zombies. Die Sporen von Orphyocordyceps unilateralis setzen sich auf dem Außenskelett der Insekten ab und keimen aus. Anschließend dringen die Pilzhyphen in die Tiere ein und manipulieren ihr Verhalten. Die sonst im Baumwipfel lebenden Ameisen laufen nun auf ein Blatt in Bodennähe, beißen in eine Blattader und sterben. Hier unten herrschen ideale Lebensbedingungen für den Pilz. Er wächst im toten Körper weiter und bildet einen Fruchtkörper aus. Durch Windverbreitung können seine Sporen auf neue Wirte treffen.

 

 

Foto: David P. Hughes, Maj-Britt Pontoppidan [CC-BY-2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.5)], via Wikimedia Commons

 

 


Ein Speisepilz für die Obrigkeit

 

Bereits in der Antike, zur Zeit des römischen Reiches, war der Kaiserling ein sehr begehrter Speisepilz. Seine Verkostung blieb der Obrigkeit vorbehalten. Dem einfachen Volk war es untersagt den orangegelben Wulstling zu sammeln. Auch Kaiser Claudius (10 v.Chr. - 54 n. Chr.) soll diesen Pilz besonders gern gegessen haben. Möglicherweise wurde ihm genau diese Vorliebe zum Verhängnis: Er starb an einem vergifteten Pilzgericht. Man munkelt seine Ehefrau Agrippina, die Mutter Neros, habe ihm Knollenblätterpilze unter seine Kaiserlinge gemischt. Die genauen Todesumstände werden wir wohl nicht mehr erfahren...

 

 Foto: User:Archenzo derivative work: Ak ccm (Amanita_caesarea.JPG) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons

 


Der Fluch des Brotes

 

Das sogenannte Mutterkorn (Claviceps purpurea) ist ein parasitischer Pilz, der an kultiviertem Getreide, sowie an Wildgräsern vorkommt. Dieser kleine Pilz führte jahrhundertelang zu schweren Massenvergiftungen. Die letzte größere Vergiftungswelle trat noch 1951 in Frankreich auf. Das Mutterkorn enthält unter anderem das giftige Alkaloid Ergotamin, das im Mittelalter und darüber hinaus, die als Antonius-Feuer bekannte Vergiftung auslöste. Es kommt zu Krämpfen, Lähmungen, Halluzinationen. Kribbeln und Brennen der Extremitäten, ausgelöst durch Minderdurchblutung, führten oft zum Absterben der betroffenen Körperteile. Mitunter fielen Diese ohne Blutung einfach vom Körper ab. Es gab viele Todesfälle. Heutzutage stellt Claviceps purpurea keine Massenbedrohung mehr dar. Das Korn wird heute durch spezielle Reinigungsverfahren von Schwarzbesatz befreit. Im Jahre 1943 entwickelte Dr. Albert Hofmann aus dem Mutterkorn das LSD.

 

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